70er-Kino: die 5 schrägsten Soundtracks des Jahrzehnts

Soundtracks70er_BeitragDie Filmlandschaft der 70er Jahre gleicht einer Berg- und Talfahrt zwischen Road Movie und Musical, vom Psychogramm zur Schnulze. Doch eines verbindet diese Streifen Genre-übergreifend: Ihre Vertonungen bleiben unvergesslich. Hier unsere Top-5 der 70er-Soundtracks mit besonderer Note.

Text: Alex Paschmanns

 

 

 

 

1. Hair (1979)

Hair„No no no no no no no no no no no no no!“ So reagieren Heidi Klums Topmodels bei der Aussicht auf einen Kurzhaarschnitt… oder Hippies der 60er Jahre, wenn sie außerdem noch in den Vietnam-Krieg ziehen sollen: In „Hair“ rasiert eine charmante Gruppe Hippies den Weg frei für zukünftige Pop-Rock-Musicals à la „Jesus Christ Superstar“ und kaschieren dabei ihr Problem mit den (gesellschaftlichen) Spitzen durch eine tiefe pazifistische Tönung. Einmal nicht waschen, nicht schneiden, nur dröhnen, bitte!

Verblüffend: Sowohl Madonna als auch Bruce Springsteen sangen vor, um eine Rolle in diesem Film zu bekommen – ohne Erfolg.

2. Taxi Driver (1976)

Taxi DriverDiese Taxifahrer machen aber auch, was sie wollen: In „Taxi Driver“ gerät Robert De Niro alias Travis Bickle gehörig auf die falsche Spur. Doch nicht nur De Niro weiß mit seinem rasanten Irokesenschnitt in diesem Klassiker zu überzeugen; auch der 13-jährigen Jodie Foster gelingt auf dieser schockierend brutalen Amokfahrt der schauspielerische Durchbruch. Um die allseits bekannte, unangenehme Stille im Taxi zu vermeiden, gibt es vom Komponisten und jahrelangen Hitchcock-Beifahrer Bernard Herrmann einen dramatisch-düsteren Soundtrack im jazzigen Stil.

Tragisch: Komponist Bernard Herrmann verstarb wenige Stunden nach Vollendung der Musik-Aufnahmen zum Film.

3. Zabriskie Point

Zabriskie PointEin gestohlenes Sportflugzeug, ein 52er Buick Special De Luxe und eine Villa, die aus 17 verschiedenen Kamerawinkeln immer wieder explodiert: „Zabriskie Point“ zeigt, was ein paar Gramm Gras aus einer Wüste im Death Valley machen können. Der Film schafft eine Verschmelzung von Road Movie und Bewusstseinserweiterung – und so klingt auch der Soundtrip, auf dem sich Grateful Dead und Pink Floyd die Tüte in die Hand geben.

Skurril: Harrison Fords Kurzauftritt in der Gefängnisszene wurde nachträglich entfernt.

4. A Star Is Born (1976)

Barbra Streisand, Kris Kristofferson_A Star is BornWas haben Mick Jagger, Elvis Presley und Neil Diamond gemeinsam? Sie alle waren Kandidaten für die männliche Hauptrolle in „A Star is Born“. Kris Kristofferson war am Ende der lachende Vierte und durfte den vom Ruhm zerfressenen Rockstar an der Seite Barbra Streisands geben. Beim Soundtrack gilt „Nomen est Omen“, und so wird uns vor allem „Evergreen“ mit den romantischen Lyrics von Paul H. Williams auf ewig im Ohr bleiben. Der Oscar-prämierte Song wurde übrigens – auf Wunsch Streisands und gegen den Willen von Kristofferson – in der Duett-Szene der beiden live und in einem Take eingesungen.

Bizarr: Kris Kristofferson erklärte später, die Dreharbeiten mit Barbra Streisand hätten ihn vermutlich vom Filmemachen „geheilt“.

5. Die Möwe Jonathan (Jonathan Livingston Seagull, 1973)

Neil Diamond_Die Möwe Jonathan„Damals dicht am Lebensgefühl der 70er, heute nahe am Kitsch.“ – Cinema
Der Film über die hochambitionierte Möwe Jonathan war trotz Oscar-Nominierungen weitestgehend im Sinkflug unterwegs. Neil Diamonds Soundtrack machte sich derweil zu luftigen Höhen auf; denn die Vertonung der beeindruckenden Naturaufnahmen flog um die ganze Welt. Der fällige Grammy sowie der Golden Globe Award dürften selbst auf der Weste eines Neil Diamond mehr sein als ein Vogelsch…

Derb: „Die Möwe Jonathan“ war einer der wenigen Filme, bei denen der bedeutende amerikanische Film-Kritiker Roger Ebert den Saal verließ.

Soundtracks70er_Slider

Weitere Artikel

David Gilmour Rattle

David Gilmour: Grandioses Alterswerk!

Kaum ein neues Album wurde in diesen Monaten so neugierig erwartet wie das von David Gilmour: „Rattle That Lock“ überrascht mit einer ungewöhnlichen stilistischen Bandbreite, einer Riege illustrer Gäste und nicht zuletzt einer anrührenden Hommage an den verstorbenen Pink-Floyd-Keyboarder Rick Wright. Text: Ernst Hofacker Unverkennbar wie die menschliche Stimme Es ist....
Mehr lesen
5 Minuten mit Terry Uttley Beitragsbild

Terry Uttley: 5 Minuten für persönliche Fragen!

Terry Uttley ist Bassist, Backing Vocalist und letztes verbliebenes Gründungsmitglied von Smokie. Er schrieb die Texte zu Songs wie „On My Wall“, „Destiny“, „Angelina“ und vielen mehr. Uns gegenüber hat er gestanden: Wo ist er am kreativsten? Welchen Welthit hätte er gerne geschrieben? Und was war sein bester Moment mit Smokie?          „Smokie....
Mehr lesen
Sweet

Sweet: Die verlorene Show – „Action“ im Musikladen!

Für Sweet-Fans dürfte es eine faustdicke Überraschung sein: In der 3-DVD-Retrospektive „Sweet: Action!“ findet sich auch ein bislang unveröffentlichtes Konzert, das die Band 1974 für die deutsche TV-Show „Musikladen“ gab. Mit dem Auftritt, der nie gesendet wurde, verbindet die Gruppe allerdings nicht nur gute Erinnerungen… Text: Ernst Hofacker Es war ein....
Mehr lesen
Cover Funky Dance Grooves

The Long Versions „Funky Dance Grooves“: Wie Nile Rodgers das Tanzfieber verbreitete

Ursprünglich tiefschwarze Musik, wurde der Funk im Zuge der Disco-Revolution zum universellen Tanzsound. Was einst mit Großmeister James Brown begann, wird bis heute durch Musiker wie Justin Timberlake an die nächsten Generationen weitergegeben. Auch 50 Jahre nach seiner Erfindung ist der quirlige Groove quicklebendig und zieht Menschen auf der ganzen Welt....
Mehr lesen
JEFF-LYNNES-ELO_AloneInTheUniverse_web

Jeff Lynne’s E.L.O.: Zeitreise in die 70er

Jeff Lynne, Kopf des Electric Light Orchestra, kann stolz sein: Sein neues Studioalbum „Alone In The Universe“ entwickelt sich zum bemerkenswerten Triumph, der dem Mastermind endlich auch die Anerkennung von Kritikern und jungen Künstlern beschert. Was macht diesen Eigenbrötler plötzlich so besonders? Text: Ernst Hofacker Wenige Musiker können auf eine erfolgreichere....
Mehr lesen